Leopard (Afrikanisch)
Der Leopard (Panthera pardus) ist eine Art innerhalb der Familie der Katzen, die in Afrika und Asien verbreitet ist.
Merkmale
Maße und Gewichte des Leoparden sind innerhalb des großen Verbreitungsgebietes sehr unterschiedlich. Generell sind waldbewohnende Leoparden meist kleiner und gedrungener, die der offenen Lebensräume in der Regel schlanker und größer. Der Leopard wird 90-190 cm lang, den 60-110 cm langen Schwanz nicht mitgerechnet. Männliche Leoparden wiegen etwa 40-90 kg und haben eine Schulterhöhe von 70-80 cm. Weibchen sind etwa 50 % kleiner und wiegen nur etwa 30-60 kg. Kleine Weibchen messen nur 45 cm an der Schulter. In der Kapregion im Süden Afrikas wiegen Leoparden oft nur 20 bis 30 kg.
Fellzeichnung
Die verschiedenen Unterarten des Leoparden zeigen oft deutliche Abweichnungen in der Fellzeichnung, aber auch innerhalb eines Gebietes treten mitunter große, individuelle Unterschiede auf. Dennoch lässt sich einiges allgemeingültiges zum Fell des Leoparden sagen. Fast immer ist es mit Rosetten gezeichnet. Vielfach sind die Rosetten, besonders in Längsrichtung des Rückens, reihenförmig angeordnet. An der Brust und am unteren Hals findet man häufig statt nebeneinander stehender Rosetten Flecken, die in einer Richtung angeordnet sind und wie Halsbänder wirken. An der Oberseite des langen Schwanzes setzen sich die Rosetten entlang der Mittellinie fort. Zum Schwanzende werden die Rosetten immer weniger ausgeprägt, können aber manchmal noch zu mehreren Querringen verschmelzen. Die Schwanzunterseite ist allerdings zum Ende hin sehr hell bis weiß. Bauch und die oberen Beininnenseiten sind ebenfalls frei von Rosetten und weiß, gelblich-weiß oder in grau übergehend gefärbt. Weiter zu den Pranken hin sind Vollflecken zu finden, die nach unten zu immer kleiner werden. Am Kopf und oberen Hals und Nacken sind ebenfalls keine Rosetten ausgebildet, sondern auch nur schwarze Vollflecken vorhanden. Waldleoparden sind im allgemeinen intensiver gefärbt als Leoparden offener Landschaften. Näheres zu den Fellzeichnungen der Unterarten findet sich unter Systhematik.
Schwarze Panther
In großen Höhenlagen und im Regenwald findet man gar nicht allzu selten Schwärzlinge, die auch Schwarze Panther genannt werden. Die Ausprägung des schwarzen Fells ist erblich und wird über ein einziges Gen (monogenetisch) rezessiv vererbt. Damit kann die Erbanlage auch bei einem normal gefleckten Leoparden vorhanden sein, oder es können auch in einem Wurf Schwärzlinge neben normal gefärbten Jungtieren vorkommen. Bei schräg einfallendem Licht kann man jedoch auch bei schwarzen Leoparden die typischen Rosetten erkennen. In einigen Gebieten, etwa auf der Malaiischen Halbinsel sind bis zu 50 % aller Leoparden schwarz. In Afrika scheinen Schwärzlinge am häufigsten im Äthiopischen Bergland aufzutreten.
Sinnesorgane
Die Ohren sind gerundet. Der Gehörsinn ist ausgezeichnet entwickelt. Leoparden können sehr hohe, für Menschen nicht mehr hörbare Frequenzen bis zu 45.000 Hertz wahrnehmen.
Die Augen sind nach vorn gerichtet und weisen eine breite Überschneidung der Sehachse auf. Das ermöglicht ihnen ein ausgezeichnetes räumliches Sehen. Bei Tag entspricht das Sehvermögen eines Leoparden in etwa dem eines Menschen, in der Nacht verfügt der Leopard jedoch über ein fünf- bis sechsfach besseres Sehvermögen: Leoparden können die runde Pupille sehr weit öffnen, so dass auch schwaches Licht ins Auge gelangen kann; weiterhin besitzen Leoparden wie alle Katzen eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, das so genannte Tapetum lucidum, das durch Rückspiegelung die Lichtausbeute steigert.
Auch der Geruchsinn ist beim Leoparden hervorragend ausgeprägt.
Der Leopard war in geschichtlicher Zeit über ganz Afrika beiderseits der Sahara sowie über große Teile Asiens verbreitet. In Afrika lebt er sowohl in den zentralen Regenwäldern als auch in den Gebirgen, Savannen und Halbwüsten von Marokko bis zum Kap der guten Hoffnung. Lediglich die großen, wasserlosen Wüsten meidet der Leopard und fehlt daher naturgemäß in der Sahara und den trockensten Regionen der Namib. In Asien bewohnt er die Nadelwälder am Amur ebenso wie die Tropen Indiens und Südostasiens. Hier dringt er im Südwesten bis auf die Arabische Halbinsel, nach Israel und Anatolien vor und im Südosten bis auf die Insel Java. Er fehlt allerdings auf Sumatra und Borneo, sowie in den Wasserlosen Kernwüsten Asiens, wie etwa der Rub al-Chali. Die Nordgrenze des asiatischen Verbreitungsgebietes verläuft heute vom Kaukasus über Nordpersien, Afghanistan und Kaschmir, entlang des Himalaya bis zum Amurfluß in Ostsibirien. In vorgeschichtlicher Zeit gab es Leoparden auch in Mitteleuropa. Hier verschwanden sie aber bereits am Ende der Eiszeit. Der Leopard hat von allen fünf Großkatzen das größte Verbreitungsgebiet, daher haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche Unterarten entwickelt.
In vielen Gegenden sind Leoparden heute allerdings ausgestorben. Hierzu zählen Marokko, die Sinaihalbinsel und die Insel Sansibar. In anderen Regionen, wie dem Kaukasus und der Amurregion ist ein Aussterben wohl kaum noch zu verhindern. Auf der arabischen Halbinsel gibt es noch geschätzte zwanzig freilebende Individuen. Ähnlich gering sind die Bestandszahlen in Anatolien und Palästina. Auch auf Sri Lanka ist durch den Bestandsrückgang der Genpool inzwischen so klein, dass die dortige Unterart wegen mangelnder genetischer Vielfalt nicht mehr zu retten sein dürfte. Im Kaukasus überleben nach Schätzungen des WWF noch knapp 50 Individuen, deren Schutz derzeit Objekt großer Bemühungen ist. Im Iran und in Turkmensitan leben nur wenige hundert Exemplare des Persischen Leoparden, in Pakistan und Bangladesh sind Leoparden heute ebenfalls sehr selten. In China gibt es Leoparden fast nur noch in isolierten Restbeständen. In Indien leben dagegen Schätzungen zufolge noch etwa 14.000 Leoparden. Die meisten Leoparden leben heute in Afrika, südlich der Sahara. Hier wird die Zahl der Leoparden auf etwa 700.000 geschätzt, von denen 226.000 allein in Zaire leben sollen. Diese hohen Zahlen werden allerdings von einigen Fachleuten in Frage gestellt. Eine niedrigere Schätzung ergab nur etwa 233.000 wildlebende Leoparden in Afrika.
Systematik
Die Aufgliederung des Leoparden in die verschiedenen Unterarten ist ein bis heute noch nicht zur Zufriedenheit gelöstes Problem. Es gibt mehrere einander widersprechende Unterteilungen; die folgende Klassifikation ist nur ein Beispiel; beigefügt sind die Gefährdungskategorien der IUCN.
Afrikanische Unterarten
* P. p. pardus, Nordost- und Zentralafrika
* P. p. adersi, sehr kleine Tupfen, Sansibar, ausgestorben
* P. p. jarvisi (Sinai-Leopard), Fell hell mit großen Tupfen, Sinai, wahrscheinlich ausgestorben
* P. p. melanotica, südliches Afrika
* P. p. nanopardus, Somalia
* P. p. panthera (Berber-Leopard), Nordafrika, stark bedroht, weniger als 250 Tiere
* P. p. sindica, südwestl. Afrika
* P. p. suahelica, Ostafrika
Verhalten
Territorialverhalten
Leoparden sind typische Einzelgänger. Die Reviere der Männchen sind größer und umfassen meist die Territorien mehrerer Weibchen. Nach einer Studie im Krüger-Nationalpark beanspruchen Männchen je nach Beutetierdichte etwa 16-96 Quadratkilometer und Weibchen 5-30 Quadratkilometer. In sehr kargen, beutearmen Regionen können die Streifgebiete auch um einiges größer sein. Das Territorium wird markiert und gegen gleichgeschlechtliche Artgenossen unter Drohverhalten und notfalls im territorialen Kampfverhalten verteidigt. Ein Territoriumsinhaber kann sich das Privileg des Zugangs zu Sexualpartnern, aber auch zu Nahrungsquellen, Wasserstellen, Schattenplätzen und Deckungsmöglichkeiten, sichern. Einem Eindringling in ein besetztes Territorium geben die Geruchsmarken den Hinweis auf sofort bereite Kampffähigkeit und Kampfeswillen des Territoriumsbesitzers, wobei dieser jedoch durch den "Heimvorteil" oft die Oberhand behält.
In erster Linie markieren Leoparden ihr Revier geruchlich, aber auch akustisch durch Lautäußerungen. In geringem Maße wird es auch optisch durch Kratzspuren an Bäumen oder am Boden gekennzeichnet. Die Markierung hat einerseits die Funktion, Artgenossen fernzuhalten und andere Tiere über die Anwesenheit des Territoriumsinhabers zu informieren, andererseits dient sie aber auch der Strukturierung des Streifgebiets. Geruchliches Markieren erleichtert dort das Zurechtfinden.
Fortbewegung
Die normale Fortbewegungsart ist der Schritt im typischen Kreuzgang. Bei dieser Gangart werden die einander diagonal gegenüber liegenden Beine gleichzeitig angehoben und wieder aufgesetzt. Im Schritt können Leoparden große Strecken zurücklegen. Dabei haben sie meist einen raumgreifenderen Schritt als wenn sie nur in der Nähe ihres Ruhebaumes oder in der Umgebung ihrer Verstecke umherwandern.
Schneller ist der Trab, mit dem Leoparden kurze Strecken zurücklegen. Bei der Anschleichjagd kann es vorkommen, dass die ersten 10 bis 30 Meter im Trab zurückgelegt werden, wobei der Körper sich zunehmend mehr duckt. Hier spricht man auch vom Schleichlauf. Auf der Jagd wird dieser Schleichlauf dann durch das Schleichkriechen abgelöst, bei dem der Bauch schon fast den Boden berührt und ein ganz langsamer Schritt eingehalten wird, der in jeder Phase unterbrochen werden kann. Das geschieht meistens dann, wenn das angeschlichene Beutetier aufmerksam wird. Der Leopard bleibt in dieser Position bis die Wachsamkeit des Opfers nachlässt und er weiter schleichen kann.
Der Galopp, die schnellste Gangart, bei der ein Leopard mehr als 60 km/h erreichen kann, ist bei erwachsenen Tieren selten zu beobachten. Er kommt vor allem in der Endphase einer Jagd vor; so benutzt er für die letzten Meter nach dem Anschleichen oder aus dem Ansitz heraus die raumgreifenden Galoppsprünge, bei denen er meistens mit beiden Hinterbeinen zugleich losspringt. Im Galopp können Leoparden nur kurze Strecken überwinden. Diese sehr kraftraubende Gangart setzt eine enorme Herzleistung voraus, zu der die Großkatze nur für kurze Zeit fähig ist.
Eine besondere Fortbewegungsart ist das Erklettern von Bäumen und das Umherklettern auf Ästen verschiedenster Dicke innerhalb der Baumkrone. Dort können Leoparden auf dünnen Ästen stehen und verlieren trotz erheblichen Schwankens nicht das Gleichgewicht. Weder dichtstehende und oft viele Zentimeter lange Dornen noch kurze, scharfe, gebogene Stacheln ihrer Ruhebäume verletzen sie dabei.
In der Ebene werden bei allen Gangarten die Krallen nicht vorgestreckt. Beim Erklettern des Baumes dagegen sind sie voll ausgefahren und fixieren den schweren Leopardenkörper selbst an einem glatten, senkrechten, dicken Stamm, indem sie tief in die Rinde eindringen. Ein steiler Baum wird in Sprüngen bezwungen. Die Vorderbeine werden weit gespreizt und können dicke Stämme so geradezu umarmen. Häufig macht der Leopard gerade vom Boden aus einen besonders großen Sprung nach oben, der schon den Schwung für die weiteren Sprünge liefert.
Beim Absteigen von einem Baum geht der Leopard so lange vorwärts wie die Äste oder Stämme nicht ganz senkrecht sind. Bei wirklich steilen Bäumen die keinerlei Halt geben, erfolgt der Abstieg so lange rückwärts bis ein Abstand vom Erdboden erreicht ist, den der Leopard springend überwinden kann. Dazu dreht er sich am Baumstamm um, macht eventuell noch einen Abstieg von ein bis zwei Metern und springt dann aus zwei bis vier Metern Höhe herunter.
Leoparden sind auch gute Schwimmer. Es wurden Leoparden beobachtet, die den Tag auf einer Insel in einem Fluss verbrachten und zur Jagd zurück ans Ufer schwammen.
Verhalten gegenüber Feinden
Erwachsene Leoparden sind äußerst vorsichtig und vermeiden nach Möglichkeit jeden Kontakt mit überlegenen Raubtieren und Artgenossen.
Vor allem Löwen und Tiger sind eine ständige Bedrohung für Leoparden, der sie so gut es geht aus dem Weg zu gehen versuchen. Es gibt zahlreiche dokumentierte Vorfälle, bei denen die Konfrontation mit feindseligen Löwen für den Leoparden tödlich endete.
Auch Tüpfelhyänen, und Wildhunde können dem Leoparden gefährlich werden, allerdings meist nur dann, wenn ein ganzes Rudel ihn mit einer ungesicherten Beute erwischt, und er sich auf einen Kampf um seine Beute einlässt. Es kommt aber auch durchaus vor, dass der Leopard Erfolg hat und seine Beute vor den Tüpfelhyänen retten kann. Einzelen Tüpfelhyänen ist ein Leopard ebenbürtig. Ein Männchen im Krügerpark erlegte sogar einige dieser Räuber.
Zu Pavianen haben Leoparden ein sehr ambivalentes Verhältnis. Besonders am Tag sind die Affen gefährliche Gegner und greifen die Raubkatze oft sogar an. Mehrere starke Pavian-Männchen können einen Leoparden regelrecht in Stücke reissen. Nachts ist dagegen der Leopard im Vorteil und wagt sich sogar in die Schlafbäume um dort Panik zu verursachen, mit dem Ziel einen der Affen zu erlegen. Einzelne Paviane oder Tiere die am Rand der Gruppe überrascht werden, zählen ebenfalls zum Beutespektrum des Leoparden.
Geparden ist der kräfigere Leopard normalerweise überlegen.
Ernährung
Was Leoparden fressen, richtet sich in erster Linie nach dem Nahrungsangebot des jeweiligen Lebensraums. So haben Leoparden ein außerordentlich breites Spektrum an möglichen Beutetieren, das von Käfern über Reptilien bis hin zu Vögeln und Großsäugern reicht. Wenn irgend möglich versuchen Leoparden aber, Säugetiere im Gewicht von 30 bis 50 Kilogramm zu erbeuten. Meist handelt es sich dabei um mittelgroße Huftiere. Je nach Region sind seine Hauptbeutetiere Hirsche wie Axishirsch und Sikahirsch oder Antilopenarten wie Sasins, Schirrantilopen oder Impalas. Einen relativ großen Teil seiner Nahrung machen kleinere Raubtiere wie Mangusten oder Schakale aus. Er wagt sich aber auch an so wehrhafte Tiere wie Wildschweine, Buschschweine und Paviane, die er normalerweise im Schutze der Nacht überfällt. Zebras sind als Beute bereits zu groß aber gelegentlich reisst er ein unvorsichtiges Fohlen dieser Einhufer.
Jagdweise
Meist werden Leoparden als nächtliche Jäger angesehen, doch wurde bisher keine generelle Vorliebe für bestimmte Jagdzeiten gefunden. Der Zeitpunkt einer Jagd hängt wohl mit der Verfügbarkeit der Beutetiere in seinem Jagdrevier zusammen.
Grundsätzlich kann man bei Leoparden zwei prinzipiell verschiedene Jagdweisen beobachten. Die Anschleichjagd und die eher passive Lauerjagd. Anschleichjagden gehören zu den häufigsten Jagdmethoden des Leoparden. Leoparden sind zwar schnell im Antritt und überwinden mit wenigen Sätzen etliche Meter, doch schon auf mittleren Distanzen sind ihnen die meisten Beutetiere an Geschwindigkeit überlegen. Die Katze versucht daher so nahe wie möglich unbemerkt an ihr Opfer heranzukommen, um den Abstand vor dem Angriff zu verkürzen. Bei der Anschleichjagd erbringen Leoparden oft enorme Leistungen. In der Kalahari und anderen kargen Wüstengegenden müssen sie sich über enorme Strecken fast ohne Deckung an ihre Opfer heranschleichen. Die reine Lauerjagd, bei der der Jäger auf sein Opfer wartet, ist bei Leoparden ebenfalls eine häufig zu beobachtende Jagdmethode. Leoparden, die den Tag auf Bäumen verbringen, benutzen diese oft als erhöhten Ansitz. Mit bemerkenswerter Geduld lassen sie Herden grasender Tiere in geeigneter Größe an sich oder gelegentlich direkt unter ihrem Ausguck vorbeiziehen oder auf sich zuweiden. Wenn der Ast, auf dem der Leopard ruht, nicht zu hoch ist, kann er direkt von oben auf seine Beute springen. Meistens verlässt er aber vor dem eigentlichen Angrif den Baum. Er klettert dazu vorsichtig an der für das auserwählte Opfer nicht sichtbaren Seite des Baumstammes herab und sucht Deckung hinter dem Stamm oder - wenn vorhanden - hinter anderer dichter Vegetation. Dabei können sie nach sehr langer Wartezeit auf einem Ast des Baumes noch einmal dieselbe Zeit am Fuß des Baumes zubringen, um auf solche Tiere zu warten, die sie von oben über längere Zeit bei der Annäherung zu dem betreffenden Baum beobachtet haben. Es liegen keine Beobachtungen oder Berichte darüber vor, ob Leoparden sich ihre Opfer bereits zu Beginn der Anschleich- oder auch Ansitzjagd auswählen oder ob sie es mehr dem Zufall überlassen, welches Tier einer Gruppe sie töten wollen.
Gelegentlich stöbert der Räuber seine Beute auch einfach beim Umherstreifen im Revier auf und überrascht sie. Abseits liegende Kitze von Hornträgern oder sich reglos an den Boden drückende Hasen werden oft rein durch Zufall im Vorübergehen entdeckt, und nicht gezielt angeschlichen.
Aneignung fremder Beute
Wenn man ein Raubtier an einem Riss fressen sieht, ist es immer schwer zu sagen, ob es diese Beute selbst erjagt oder von einem anderen Tier übernommen hat. Die Übernahme kann aktiv erfolgen, indem der rechtmäßige Besitzer unter Drohen vertrieben wird oder passiv, indem sich der Besitzer ohne gezielte Drohung verdrückt und dem biologisch stärkeren Raubtier die eigene Beute überlässt. Es kann sogar passieren, dass ein und dieselbe Beute mehrfach den Besitzer wechselt.
Beutesicherung
Einen gewissen Prozentsatz der von Raubtieren gefressenen Beutetiere haben die daran Fressenden also einem anderen Raubtier abgenommen und den Riss gar nicht selbst geschlagen. Manchmal wird auch dem Leoparden seine selbst erlegte Beute von Löwen oder Tüpfelhyänen abgenommen. Auch Geier holen sich gelegentlich Teile der Leopardenbeute. Der Leopard beugt einem solchen Raub seiner Beute durch zwei Maßnahmen vor. Bei der einen Methode bedeckt er seine Beutereste, wenn sie am Boden liegen, mit Gras, Zweigen oder Laub, indem er dieses bedeckende Material mit allen vier Beinen darüber scharrt.
Die andere, einzigartige Methode der Beutesicherung ist, sie auf einen Baum zu bringen, was als Sicherung der Beute vor Aasfressern bevorzugt wird. Der Leopard bleibt bei seiner auf den Baum geschleppten Beute etwa zwei bis drei Tage in der Nähe. Er frisst den Riss von der Unterseite her an, bis schließlich nur noch Kopf, Hals und Rücken vorhanden sind. Die Beine bleiben meist an losen Hautstreifen am Rumpf hängen und pendeln dann hin und her. Diese Art der Beutesicherung wird umso wahrscheinlicher, je größer die Gefahr ist, dass dem Leoparden der Riss abgenommen wird.
Sozialverhalten
Sieht man von den wenigen Tagen ab, an denen eine Leopardin im Östrus ein Männchen anzieht und auch in ihrer Umgebung duldet, setzen erwachsene Leoparden alles daran, einander nicht zu begegnen. Dabei können zwei Individuen sehr dicht beieinander leben und ihren täglichen verschiedenen Bedürfnissen nachgehen. Die Streifgebiete benachbarter Leopardinnen überlappen sich erheblich. Die viel größeren Streifgebiete männlicher Leoparden können sich mit denen mehrerer Weibchen überschneiden. Mit den Mitteln des Markierverhaltens geben alle benachbarten Leoparden einander häufig sehr detaillierte Auskünfte über ihren Aufenthalt, ihren Status, ihre sexuelle Aktivität, ihren Gesundheitszustand und vieles andere. Während Tierarten, die in sozialer Gemeinschaft leben, solche Signale vielfach dazu benutzen, sich aneinander zu binden und möglichst problemlos miteinander zu leben, ist das bei Leoparden gerade umgekehrt. Sie informieren einander darüber, wie jeder von ihnen es anstellen muss, dem anderen unter keinen Umständen zu begegnen. Jeder Leopard wird alles daran setzen, um nicht mit einem Artgenossen zusammen leben zu müssen.
Fortpflanzung
Die Paarungsbereitschaft der Leopardin dauert 6 bis 7 Tage. Tritt keine Trächtigkeit ein, wiederholt sich der Östrus alle 25 bis 28 Tage. Zuvor gibt die Leopardin ihre Paarungswilligkeit allen Männchen bekannt, deren Territorien sich mit ihrem Streifgebiet überschneiden. In großer Unruhe durchstreift sie für die Ankündigung ihrer Kopulationsbereitschaft vor allem das Kerngebiet ihres Streifgebietes. In diesen Tagen markiert sie unzählige auffällige Punkte, wie Bäume, Felsen, Felsbrocken, Büsche oder Grasbüschel. Diese Harnmarkierungen signalisieren den Männchen, die daran riechen, wie weit es mit dem Östrus der rolligen Leopardin ist. Danach findet meist ein Bodenkratzen mit den Hinterpranken statt. Nicht selten wälzen sich brünstige Leopardinnen in den Harnstellen männlicher Leoparden. Sie rollen sich dabei auf solchen Duftmarken im Gras über den Rücken und versuchen, große Teile des Fells mit dem Geruchsfleck auf dem Boden in Berührung zu bringen. Die Bezeichnung Rolligkeit für dieses Verhalten ist sehr treffend. Die Paarungszeit dauert 8 bis 9 Tage.
Mutter-Kind Beziehung
Die wechselseitige Verständigung erfolgt auf optischem, geruchlichem, lautlichem und vor allem auch taktilem Wege. Die Jugendentwicklung weist eine erhebliche Schwankungsbreite auf. Das hängt nicht nur mit der Eigenentwicklung der Jungtiere, sondern auch mit den Fähigkeiten der Mutter zu fürsorglichen Verhaltensweisen zusammen. Bei Leopardenmüttern wächst die Erfahrung von Wurf zu Wurf. Eine bei der Aufzucht erfolgreiche, gute Mutter kann viele Einzelheiten der Gefährdung ihrer Jungen erfassen. Felshöhlen mit engen Eingängen sind für die Jungtiere als sichere Verstecke besser geeignet als Dickichte aus Busch oder gar Gras. Die Nähe eines Wasserloches ist zwar für das Trinkbedürfnis der Mutter günstig, dennoch nicht immer unkritisch als Vorteil zu werten. Eine Tränke zieht nämlich auch andere Tiere an, auch solche, die den Jungen gefährlich werden können. Der Schutz der Jungen ist eine schwere Aufgabe für die Leopardenmutter. Er beruht auf Erfahrungen und gewissen Fähigkeiten zur Voraussicht. Normalerweise bringen Leopardinnen nur ein oder zwei Junge bis zur völligen Reife durch.
Eine feste Geburtensaison ist bei Leoparden in Ostafrika und in den Waldgebieten nicht bekannt. Die zwei bis drei Babys werden also das ganze Jahr über geboren und wiegen bei der Geburt je etwa 500 Gramm. Im Krüger-Park fallen die Geburten der Leoparden meist zusammen mit der Geburtenhäufung der Impala-Antilopen, die dort die wichtigste Beute der Leoparden sind. Als Geburtsort dienen schwer auffindbare, unzugängliche Verstecke. In weiten Teilen Afrikas sind das Höhlen in Felsen, aufeinander liegende Felsblöcke, buschbestandene Bodenvertiefungen oder Strauchdickichte. Solche Plätze und ihre Umgebung dienen dann später auch der Jungenaufzucht. Im Wald lebende Leoparden benutzen zur Aufzucht oft ausgehöhlte Baumstämme.
Zum Säugen legt sich die Leopardin meist auf die Seite. Es kommt häufig vor, dass alle Kinder gleichzeitig gesäugt werden, sie können aber auch einzeln zur Mutter zum Trinken kommen.
Leoparden beginnen durchschnittlich im Alter von zwei bis drei Monaten Fleisch zu fressen. Sie sind dann durchaus schon in der Lage, der Mutter ein paar hundert Meter hinterherzulaufen, doch manchmal bringt auch in diesem Alter die Mutter den Riss noch zu den Jungen.
Mit dem Älterwerden erreichen die Muskulatur, ihre Koordination und die Bewegungen bei den Jungtieren eine Reife, die sie in die Lage versetzen, mit den ersten Jagdversuchen zu beginnen. Diese gelten zunächst kleineren Tieren, manchmal sogar nur vom Wind bewegten Gegenständen. Ein Schmetterling, eine Heuschrecke oder eine vorüberhuschende Echse erregen die Aufmerksamkeit eines Leopardenjungen und lösen einen unwiderstehlichen Drang aus zu "jagen". Auch die Spiele der Jungen untereinander tragen deutliche Züge des Jagdverhaltens. Wenn mehrere Junge vorhanden sind, spielen sie untereinander, ist nur ein Junges bei der Mutter, dient diese als Spielkamerad und Übungspartner. Nach kurzer Zeit des Übens, bestimmt mit vier oder fünf Monaten, läuft eine spielerische Jagd auf Artgenossen schon sehr viel realitätsnäher ab als zu dem Zeitpunkt, als der Jagdtrieb erwachte.
Eine Sonderform des Spielverhaltens ist das Objektspiel: Nach kleineren Gegenständen wird häufig zunächst mit einer Pranke geschlagen, dann wird auch die andere benutzt, beide Pranken können wechselweise eingesetzt werden, aber auch gemeinsam zupacken. Beliebt sind Spiele, bei denen das Objekt fortgeschleudert wird und dann blitzartig erneut ergriffen wird. Bei manchen Formen des Objektspiels wird auch das Gebiss eingesetzt. So spielen Leoparden mit einem Stück Holz, einem ausgeblichenen Knochen oder anderen Gegenständen. Diese werden beschlichen, bekommen einen Hieb versetzt und werden dann aufgefangen und schließlich gebissen.
Junge Leoparden verlassen ihre Mütter durchschnittlich zwischen 13 und 18 Monaten, männliche meist früher als weibliche Jungtiere.
Die Lösung des Mutter-Kind-Verhältnisses erfolgt erst, nachdem die Jungtiere in der Nahrungsversorgung unabhängig geworden sind. Im Allgemeinen bleiben junge Leoparden noch für unterschiedlich lange Zeit im Streifgebiet der Mutter. Weiblicher Nachwuchs kann sogar das eigene Streifgebiet in der Nachbarschaft zu dem der Mutter mit mehr oder weniger großer Überlappung lebenslänglich etablieren.
Männlicher Nachwuchs ist meist kühner, er wandert auch zuerst die weitesten Strecken vom Lagerplatz weg und erklettert früher Bäume. Männliche Jungleoparden pflegen auch in weite Entfernungen auszuwandern. Das ist sehr wahrscheinlich ein Mittel der Inzuchtvermeidung.
Der Leopard und der Mensch
Berührungspunkte zwischen Leopard und Menschen gab es bereits in der Frühzeit der Menschwerdung. Schon in der Olduvai-Schlucht in Nord-Tansania wurden während umfangreicher Ausgrabungen Skelette von Leoparden neben denen von Frühmenschen gefunden. Nach anthropologischen Forschungen ist es durchaus wahrscheinlich, dass diese Vorfahren der heutigen Menschen ihren Fleischbedarf als marginale Aasfresser deckten. Sie ernährten sich von den Resten der Beute aller Raubtiere sowie auch von verendet aufgefundenen Tieren.
Sie nahmen dabei wohl auch dem Leoparden seine Beute ab: Es ist, weil er Einzeljäger ist, wesentlich leichter, einen Leoparden von seinem Riss zu vertreiben als ein Löwenrudel von seiner Beute. Außerdem gab es Leoparden auch in Gegenden, in denen keine Löwen oder andere Großraubtiere lebten, von denen die Frühmenschen Beutekadaver hätten übernehmen können, da Leoparden ja selbst noch da Beute machen, wo Löwen oder Tüpfelhyänen keine ausreichende Nahrung finden.
Seit 186 v. Chr. wurden Leoparden meist aus Afrika und Kleinasien für Venationen und Tierkämpfe nach Rom geliefert. Die Leopardenjagd wurde bereits von Homer beschrieben. Zum Fang dienten Fallgruben und Giftpfeile. Gezähmte Leoparden kannte man in Indien, in den Diadochenstaaten und am römischen Kaiserhof.
In den letzten Jahrhunderten waren die Beziehungen zwischen Leopard und Mensch überwiegend durch die wirtschaftlichen Interessen des Menschen bestimmt. Einmal gefährdete der Leopard die Haustiere und man hielt ihn sogar für einen gefährlichen menschenfressenden Nachbarn, dann war sein Pelz ein begehrenswertes Handelsobjekt für luxuriöse Kleidung. Schließlich war die Sportjagd überseeischer Großwildjäger eine Einnahmequelle für die Landeigner, in deren Regionen Leoparden vorkamen. Erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts begann man die außerordentliche Ästhetik dieser eleganten, geschmeidigen Großkatze zu würdigen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts interessieren sich inzwischen viele Menschen mehr für die faszinierende Lebensweise und die Eleganz des Leoparden, als für dessen Abschuss aus Mode- oder Statusgründen. So gehört er zum Beispiel zu den Big Five, den fünf Hauptattraktionen einer Afrika-Safari.
Welche Einstellung der einzelne Mensch dem Leoparden gegenüber einnimmt, hängt von seiner persönlichen Situation ab. So kann der Leopard für den Menschen verteufelter Feind der Haustiere, lockender Pelzlieferant für exklusive Kleidung, begehrtes Objekt für die Trophäenjagd oder bezauberndes Mitgeschöpf mit großartigen Lebensgewohnheiten sein. Dorfbewohner in landwirtschaftlich genutzten Gebieten, in denen Leoparden existieren, sind keine Freunde der gefleckten Katze. Leoparden leben inzwischen auch gerne in dichtbesiedelten Gebieten. So wurde um 1970 von einer beträchtlichen Zahl Leoparden berichtet, die in den mit Waldstrecken durchsetzten Vororten von Nairobi lebten.
Auch aus ethischen Gründen widmet der Mensch heute der gefleckten Großkatze seine Aufmerksamkeit: Leoparden sind eine weltweit von der Ausrottung bedrohte Tierart, sie stehen auf der roten Liste. Dafür gibt es zwei Gründe: Wilderei und Zerstörung des Lebensraums.
Nachdem durch das Artenschutzabkommen der Fellhandel unter Kontrolle gekommen ist und sich das Modebewusstsein gewandelt hat, konnte auch die Wilderei auf Leoparden in Afrika deutlich eingedämmt werden. In vielen afrikanischen Ländern wurden Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung eingeführt, die durchaus erfolgreich sind. Dagegen hat sich die Besiedelung und Zerstörung des Lebensraumes des afrikanischen Leoparden teilweise erheblich verstärkt.
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