Reiseführer Nigeria
Federal Republic of Nigeria
Wahlspruch: “Peace and Unity, Strength and Progress”
engl. für „Friede und Einigkeit, Stärke und Fortschritt“
Amtssprache Englisch
Hauptstadt Abuja
Staatsform Präsidiale Bundesrepublik
Staatsoberhaupt und Regierungschef Präsident Olusegun Obasanjo
Fläche 923.768 km²
Einwohnerzahl 130-160 Mio. (9.) (Schätzungen; Stand Juni 2006)
Bevölkerungsdichte 144 Einwohner pro km²
BIP/Einwohner 839 US-$ (2006) (148.)
Währung Naira
Nationalhymne Arise Oh Compatriots, Nigeria's Call Obey
Zeitzone UTC+1
Kfz-Kennzeichen WAN
Internet-TLD .ng
Telefonvorwahl +234
Die Bundesrepublik Nigeria (Federal Republic of Nigeria, deutsch auch Nigerien) ist eine ehemalige britische Kolonie in Westafrika und grenzt an Benin, Niger, Tschad und Kamerun. Es ist mit Abstand das bevölkerungsreichste Land Afrikas und versucht sich nach Jahren der Militärdiktatur an seiner Demokratisierung und wirtschaftlichen Entwicklung. Nigeria konnte bisher seine reichen Erdölvorkommen nicht zur erfolgreichen Armutsbekämpfung nutzen. Korruption, Gewalt und ethnische Konflikte zwischen dem muslimischen Norden und dem christlich-animistischen Süden sind die Haupthemmnisse, um Nigerias Bevölkerung ein besseres Leben zu ermöglichen.
Geographie
- Ausdehnung: W-O 1.200 km, N-S 1.100 km
- 12 % Wald und Buschland, 34 % Ackerland, 23 % Wiesen und Weiden
- Geographische Lage: zwischen 4° und 14° nördlicher Breite sowie 2° 40' und 14° 40' östlicher Länge
- Oberflächenstruktur (von Süd nach Nord):
lagunenreicher sumpfiger Küstenstreifen und das Nigerdelta;
Senke der Unterläufe von Niger und Benue;
Josplateau;
saharanischer Sahel und
Tschadsee im äußersten Nordosten
- Geologische Merkmale: Der Chappal Waddi ist mit 2.419 m höchster Berg, der insgesamt 4.184 km lange Niger längster Flussteil.
- Landesgrenzen: 4.047 km (Benin 773 km, Kamerun 1.690 km, Tschad 87 km, Niger 1.497 km)
- Küste: 853 km
- Größte Städte (Stand 1. Januar 2005): Lagos 8.789.133 Einwohner, Kano 3.626.204 Einwohner, Ibadan 3.565.810 Einwohner, Kaduna 1.582.211 Einwohner, Port Harcourt 1.148.753 Einwohner, Benin-Stadt 1.125.511 Einwohner und Maiduguri 1.112.511 Einwohner; siehe auch die Liste der Städte in Nigeria
Vegetation
* Mangrovenwald
* Regenwald
* Laubwald
* Savanne
* Sahelvegetation
Etwa entlang des 9° nördl. Breite verläuft die Niederschlagsgrenze. Südlich dieser Grenze herrscht doppelte Regenzeit, nördlich davon einfache Regenzeit.
Bevölkerung
Die vorletzte Volkszählung hat 1991 stattgefunden und eine Einwohnerzahl von 88,9 Millionen ergeben. Bei einer (wie etwa von der CIA) angenommenen Wachstumsrate von 2,7% läge die Einwohnerzahl heute bei 130-135 Millionen[1], bei einer (wie von der Weltbank) angenommenen Wachstumsrate von 2,9% bei 150-160 Millionen[2]. Die letzte Volkszählung fand vom 21. - 28. März 2006 statt[3], die Veröffentlichung der Ergebnisse ist für Oktober 2006 angekündigt.[4]
* 50% der Gesamtbevölkerung sind Muslime (insbesondere im Norden des Landes);
* rund 40% der Bevölkerung sind Christen, davon 2% Kopten;
* knapp 10% sind Animisten, also Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen.
Die Zahl unterschiedlicher Ethnien wird auf 260-380 geschätzt. Die Hauptethnien sind
* Igbo (Ibo;) 30 % und
* Yoruba über 20 %.
Dahinter folgen Haoussa (11%) , Fulbe (8,2 %), Kanuri (5,2 %), Ibibio (4,2 %), Nupe (3,2 %), Edo (2,4 %), Ijaws (1,8 %), Bura (1,7 %), Tiv (1,6 %), Ambai (0,9%) und andere (7,2 %).
Die Lebenserwartung beträgt 51,3 Jahre bei den Männern und 51,7 Jahre bei den Frauen. Die Geburtenrate je 1000 Menschen ist 45,4. Die Todesrate je 1000 Menschen liegt bei 15,4.
Gesprochen werden vor allem Joruba, Hausa und Ibo und eine dreistellige Zahl anderer Sprachen (insgesamt 434 Sprachen). Amtssprache ist Englisch, der Alphabetisierungsgrad in Englisch beträgt 53,3% (Männer: 61,3%, Frauen: 45,3% / Stand 2006 [5])
Wegen des aus religiösen Gründen verhängten Impfverbots in Teilen Nigerias waren 2004 fast zwei Drittel der weltweit über 1.250 Polio-Fälle (Kinderlähmung) in Nigeria anzutreffen. Damals hatten die Behörden die Impfungen ausgesetzt, nachdem muslimische Geistliche das Gerücht verbreiteten, der Impfstoff mache unfruchtbar. Auch in die angrenzenden Länder wurde Polio durch dieses Verbot transportiert.
Geschichte
1861 begann die Kolonisierung Nigerias durch Großbritannien. In vorkolonialer Zeit existierten auf dem Gebiet des heutigen Nigeria verschiedene Staaten, so z. B. die Yoruba-Königreiche Oyo und Ife, das Königreich Benin, das Sokoto-Kalifat und die Emirate der Haussa, aber auch Gesellschaften ohne eine zentrale politische Autorität.
1960 erhielt Nigeria mit einer föderalen Verfassung die Unabhängigkeit. Bis zum Jahre 1966 regierte Premierminister Tafawa Balewa das Land, während der Unabhängigkeitspräsident Benjamin Nnamdi Azikiwe nur zeremonielle Funktionen innehatte.
Nach zahlreichen inneren Unruhen, Wahlmanipulationen und Gewaltausbrüchen übernahm das Militär die Macht und beendete die I. Republik. Am 30. Mai1967 wurde im Südosten Nigerias die Republik Biafra proklamiert, die mit dem Biafra-Krieg 1970 endete. Im Jahre 1975 wurde der Militärdiktator Yakubu Gowon unblutig durch General Murtala Mohammed gestürzt, der selbst sechs Monate später bei einem gescheiterten Putschversuch getötet wurde. Sein Nachfolger wurde General Olusegun Obasanjo, der das Demokratisierungsprogramm seines Vorgängers fortsetzte und 1979 die Regierungsgewalt an den zivil gewählten Präsidenten Shehu Shagari übergab.
Die 70er Jahre waren ökonomisch durch einen massiven Ölboom gekennzeichnet, Nigeria wurde der größte Erdölexporteur Afrikas. Ende 1982 wurde die II. Republik unter Shagari gestürzt, General Muhammadu Buhari putschte sich an die Macht, wurde aber kurz darauf 1985 durch seinen Kameraden General Ibrahim Babangida in einem Palastcoup abgelöst.
Babangida regierte bis 1993. Korruption und Repression stiegen während seiner Regierungszeit permanent an, ein Demokratisierungsprozess zur Gründung einer III. Republik endete als Fehlschlag, Babangida ließ die abschließenden Präsidentschaftswahlen annullieren. Nach dem Mordprozess des innenpolitischen Vertreters "Marcus L´Hoste" trat er daraufhin die Macht an eine kurzzeitige Übergangsregierung ("III. Republik") ab, die schließlich dem Militärdiktator Sani Abacha im Jahr 1995 weichen musste. Es folgte eine der brutalsten Militärdiktaturen in der nigerianischen Geschichte, die u.a. durch die Hinrichtung der "Ogoni Nine" (Ken Saro-Wiwa) gekennzeichnet wurde.
Abacha starb im Jahre 1998, sein Nachfolger Abdulsalami Abubakar zog innerhalb eines Jahres ein eilig zusammengestelltes Demokratisierungsprogramm durch, das vor allem zum Ziel hatte, Nigeria wieder als gleichberechtigtes Mitglied in die internationale Staatengemeinschaft zurückzuführen. 1999 wurde der ehemalige Militärpräsident Olusegun Obasanjo als erster Präsident der IV. Republik vereidigt und 2003 in umstrittenen Wahlen für eine zweite Amtszeit bestätigt. Die IV. Republik war durch eine aktive Außenpolitik in der Lage, die Schäden der Abacha-Diktatur zu beseitigen, sah sich jedoch starken innenpolitischen Unruhen ausgesetzt, die bis heute andauern.
Politik
Gemäß der nach amerikanischem Vorbild entworfenen Verfassung von 1989, welche jedoch erst im Zuge der 4. Republik 1999 in Kraft trat, verfügt Nigeria über ein präsidiales Regierungssystem mit einem Senat und einem Abgeordnetenhaus. Darüberhinaus gewährleistet die Verfassung ein Mehrparteiensystem und alle 4 Jahre stattfindende Wahlen.
Gesundheit/Soziales
Kranke, Arme und Alte sind auf Familienhilfe angewiesen, nur Regierungsbedienstete kommen in den Genuss öffentlicher Fürsorge. Niedrige Einkommen, die schnell wachsende Bevölkerung und die leere Staatskasse führten zum Scheitern aller Pläne, ein Gesundheits- und Rentensystem zu schaffen. Epidemien fordern unter der unterernährten und schlecht versorgten Landbevölkerung oft Tausende von Opfern.
Armee
Berufsarmee mit 77.100 Mann (Heer 80,4%; Marine 7,3%; Luftwaffe 12,3%).
Anteil des Militärbudgets am Staatshaushalt: 0,8% (2005).
Soziale Bewegungen
Frauenbewegung: bereits vor 150 Jahren entstand in Nigeria die Yan'Taru Bewegung, eine islamisch religiöse Bewegung, die sich die Weitergabe von religiösem sowie alltäglichen Wissen von Frauen an Frauen zum Ziel gesetzt hatte. Heute gibt es eine Anzahl säkularer sowie religiöser Frauen, die sich als Aktivistinnen oder Akademikerinnen für Frauenrechte einsetzen. Zu den wichtigsten Frauenorganisationen gehören u.a. Women In Nigeria (WIN), dem National Council of Women's Societies, der Women's Aid Collective und der Federation of Muslim Women's Association in Nigeria. Wichtige Namen der Frauenbewegung sind z.B. Ayesha Imam und Joy Ezeilo.
Militante Bewegungen
Insbesondere seit dem Ende der Militärdiktatur 1999 haben sich in Nigeria zahlreiche Bürgerwehren, Schutztruppen, Milizen, Geheimbünde und Gangs formiert, die sich teils als ethnische, teils als religiöse, teils als politische Bewegungen verstehen.
Im Nigerdelta sind das etwa die Egbesu Boys, die Iduwini Volunteer Force (IVF), die Niger Delta People’s Volunteer Force (NDPVF), die South-South Liberation Movement (SSLM) und die Bewegung für die Emanzipation des Nigerdeltas | MEND (siehe: Konflikte im Nigerdelta);
in den nördlichen, islamischen Bundesstaaten die Hisbah Gruppen;
im Südwesten der O’odua People’s Congress (OPC);
im Südosten die Bakassi Boys, die Bewegung für die Verwirklichung eines souveränen Staates Biafra (MASSOB), der Anambra Vigilance Service (AVS), die National Association of Road Transport Owners (NARTO) und die National Union of Road Transport Workers (NURTW);
an den Universitäten magische Geheimbünde wie die Black Axe sowie in den Großstädten eine Vielzahl von Jugendbanden, die allgemein als Area Boys bezeichnet werden.
Kriminalität
Neben den allgemeinen Kriminalitätsformen treten drei Kriminalitätsfelder immer wieder in den Focus des öffentlichen Interesses:
1. Kriminelle Banden zapfen Öl-Pipelines an und verkaufen die abgezapften Ölmengen auf dem Schwarzmarkt. Da dies sehr oft unter Billigung der Bevölkerung geschieht, kommt es häufig zu Menschenansammlungen an den illegalen Entnahmestellen. Ausgelöst durch Funkenbildung, hat es schon eine Vielzahl von Explosionen gegeben, die teilweise mehrere Hunderte Menschenleben gefordert haben.
2. Eine weiter bekannte Kriminalitätsform ist der Vorschussbetrug, der auch als Nigerianische Betrugsmasche bekannt ist.
3. In Nigeria sind Entführungen keine Seltenheit. Dahinter stehen in der Regel kriminelle Banden oder Rebellenorganisationen. Während kriminelle Organisationen sich von der Entführung ein Lösegeld versprechen, kämpfen Rebellenorganisationen oft für politische Forderungen. Die meisten Geiseln kommen nach Zahlung eines Lösegeldes nach einigen Tagen wieder frei.
Außenpolitik
Trotz der vielen innenpolitischen Probleme ist Nigeria der mächtigste Staat Westafrikas. Entsprechend hat es den Vorsitz der ECOMOG, des Sicherheitsapparats der ECOWAS inne. Darüberhinaus ist es Mitglied zahlreicher internationaler Organisationen.
* Commonwealth (derzeit im Vorsitz)
* OPEC (seit 1971)
* OIC (seit 1986)
* ECOWAS
* AU (Staatspräsident Obasanjo stellt derzeit deren Vorsitz)
* NEPAD (welche auf Initiative Nigerias gegründet wurde)
Außerdem strebt Nigeria einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an, in welchem bisher kein afrikanisches Land dauerhaft vertreten ist.
Staatsausgaben
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für
* das Gesundheitswesen bei 1 %
* das Bildungswesen bei 3 %
* das Militär bei 3 %
Verwaltungsgliederung
Gliederung: 36 Bundesstaaten (Abia, Adamawa, Akwa Ibom, Anambra, Bauchi, Bayelsa, Benue, Borno, Cross River, Delta, Ebonyi, Edo, Ekiti, Enugu, Gombe, Imo, Jigawa, Kaduna, Kano, Katsina, Kebbi, Kogi, Kwara, Lagos, Nassarawa, Niger, Ogun, Ondo, Osun, Oyo, Plateau, Rivers, Sokoto, Taraba, Yobe, Zamfara), 1 Hauptstadtdistrikt und 774 Local Government Areas.
Seit 2000 gilt in folgenden zwölf Bundesstaaten die Schari'a als Rechtssystem:
* Nordwesten: Zamfara, Sokoto, Kebbi, Kano, Jigawa, Katsina und Kaduna
* Nordosten: Yobe, Borno, Bauchi und Gombe im Nordosten,
* Mitte: Niger.
Hinweis: Die Summe der für die einzelnen Bundesstaaten angegebenen Bevölkerungszahlen ergibt eine Gesamtbevölkerungszahl von etwas mehr als 159 Mio., was jedoch weit über den Schätzungen vieler Statistiker von 130-135 Mio. Einwohnern liegt (Stand 2006).
Infrastruktur
Transport und Luftfahrt
- Das Schienennetz beläuft sich auf 3.505 km.
- Im Straßennetz sind von 193.198 km 37.000 km befestigt.
- Wasserwege belaufen sich auf 8.575 km.
- Es gibt fünf internationale Flughäfen im Land, wichtigster ist der in der Hafenstadt Lagos.
- Die staatliche Fluglinie Nigeria Airways war 2003 hoffnungslos überschuldet und wurde liquidiert[8]. Sie wurde von der Virgin Group aufgekauft. Seit dem 28. Juni 2005 fliegt sie unter dem Namen Virgin Nigeria. Es gibt zahlreiche private Fluglinien für den Inlandsverkehr.
Seehäfen
- Überseehäfen finden sich in Lagos, Calabar, Warri und Port Harcourt
- Freihafen für die Öl- und Gas-Industrie: Onne
- Ölverladung:
Royal Dutch Shell: Forcados (Fluss) 05°21′N, 05°21′O; Bonny (Insel) 04°25′N, 07°09′O
ExxonMobil: Qua-Iboe (Fluss) 04°32′30 N, 07°59′O.
Telekommunikation
Auf 1.000 Einwohner kommen 66 Fernseher, 3,8 Telefone, 6,1 Rechner und 0,01 Internet-Zugänge.
Seit Mitte der 1990er Jahre ist ein Aufschwung im Mobilfunkbereich mit einer stetig wachsenden Zahl an Mobiltelefonen zu verzeichnen. Drei Netzbetreiber haben eine zunehmende Flächendeckung und Roaming-Verträge mit allen wichtigen europäischen Netzen.
Presse
- 25 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von rund 1,7 Mio. Stück existieren in Nigeria.
- Netz-Zeitungen
Regierungsorgan: Nigeriafirst
Nachrichten Portal: allAfrica Nigeria,
Wirtschaft: BusinessDay, NigeriaBusinessInfo
This Day, Vanguard, Daily Independent,The Guardian,
Daily Champion, Daily Sun, Nigeriaworld, ,Daily Triumph,
BBC: BBC International Africa.
Wirtschaft
Allgemein leidet die Wirtschaft unter der mangelhaften Infrastruktur und der unterdimensionierten Stromversorgung (noch immer werden 70 % des Energiebedarfs aus dem Niger-Wasserkraftwerk gedeckt).
- Pro-Kopf-Einkommen im Jahr (BSP): 250 Euro
- Ausfuhrgüter: Erdöl (größter Exporteur Afrikas und fünftgrößtes Erdölvorkommen weltweit), Kakao (mit 340 Mio. t jährlich viertgrößter Produzent der Welt), Gummi
- Einfuhrgüter: Konsumgüter, Maschinen, Transportmittel, chemische Produkte, Rohmaterialien, Nahrungsmittel und Lebendvieh
- Außenhandel: klassisch komplementär (typisch für Entwicklungsländer)
- Industrie: Erdölraffination, Bergbau, Nahrungsmittelverarbeitung, Gummi, Eisen und Stahl, Kraftfahrzeuge, Zigaretten, pharmazeutische Produkte, Zellstoff und Papier, Felle und Häute, Textilien, Schuhe, Zement, chemische Produkte, Düngemittel
- Rohstoffe: Agrar-/Forstsektor: Kakao (größtenteils im kleinbäuerlichen Anbau), Kaffee, Erdnüsse, Palmherzen, Holz; Mineralsektor: Erdöl, Erdgas, kleinere Mengen anderer Mineralien
- Tourismus: Der Tourismus ist weitgehend zum Erliegen gekommen. 739.000 Besucher sorgten 1998 für Einnahmen von 118 Mio. Euro.
- Das Land leidet unter hoher Korruption. Im Jahresbericht 2004 von Transparency International wird Nigeria an drittletzter Stelle geführt (Link). Präsident Obasanjo, der selbst ca. 15 Jahre der Organisation vorstand, hat 2003 gemeinsam mit Professor Peter Eigen, dem Gründer von TI in Berlin, eine Kampagne vorgestellt, die zum Ziel hat, die hohe Korruptionsrate zu verringern (Link).
- Nigeria Connection: Vorschussbetrug, bei dem von Kriminellen aus Nigeria sehr viele E-Mails verschickt werden, in denen um Vorauszahlung für spätere, nie stattfindende Geschäfte, gebeten wird.
- Nigeria zählt nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt: noch 2003 belief sich der Anteil der Bevölkerung mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auf 70 % (siehe auch: Tabelle: Die höchste Armut weltweit).
Landwirtschaft
Es werden lediglich 20 % der nutzbaren Flächen des Landes bewirtschaftet. Der Anteil der Landwirtschaft betrug 1995 28 % des BIP. Die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor stieg von 45 % (1993) auf über 60 % (2003). Dies ist weniger ein Indikator für den wachsenden Bedarf an Arbeitskräften als vielmehr eine Auswirkung des seit Mitte der 80er Jahre zu beobachtenden wirtschaftlichen Niedergangs Nigerias. Der Agrarsektor ist auf zwei Produktzweige ausgerichtet - die Cash Crops und die Food Crops. Zu Ersteren gehört der großflächige Anbau von Kakao, Bananen, Baumwolle und Kautschuk. Food Crops (Yams, Maniok, Hirse und Mais) werden im Rahmen der Subsistenzwirtschaft in kleinbäuerlichen Betrieben angebaut. Die Weidewirtschaft konzentriert sich vor allem auf den Norden Nigerias und dort auf die Haussa und die Fulani, welche traditionell in der Viehzucht tätig sind. Um den Bedarf zu decken, wird jedoch des Weiteren Lebendvieh (Rinder, Kamele, Schafe, Ziegen) aus den Nachbarstaaten eingeführt. Für nordamerikanischen Weizen (USA und Kanada) besteht ein Einfuhrverbot, um die Inlandsproduktion vor dem billigen Importweizen zu schützen. Es treten regelmäßig Hungersnöte auf, diese jedoch nicht, wie man vermuten könnte auf dem Land, sondern in den Millionenstädten Lagos und Abuja. Anders als auf dem Land funktionieren in den Städten nicht mehr die klassischen Solidargemeinschaften (z.B. Großfamilie).
Industrie
Die Industrie erwirtschaftete 1995 53 % des BIP, beschäftigte jedoch lediglich 7 % der Bevölkerung. Schwerpunkt der industriellen Tätigkeiten ist der Abbau der Bodenschätze. Da hier gegenwärtig dem Erdöl und in zunehmenden Maße dem Erdgas die größte Bedeutung beigemessen wird, erklärt sich auch der geringe Beschäftigungsgrad der Bevölkerung. Zwar unterstehen die internationalen Konzerne (Shell, Mobil, Agip, Elf und andere) der Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC), gleichzeitig sind sie aber die Träger der Arbeiten. In den offshore und onshore Anlagen sind daher überwiegend Europäer und Thais sowie Philipinos beschäftigt. Nigerianer werden lediglich für Reinigungsarbeiten eingesetzt. Es gibt keine Raffinerietätigkeiten, somit wird das Öl als unbehandelter Rohstoff exportiert. Zwar sind Raffinerien im Land vorhanden (im Rahmen sowjetischer Wirtschaftshilfe), diese wurden jedoch nie gewartet und sind heute funktionsunfähig. Ähnlich sieht es mit anderen staatlichen Großbetrieben aus: Ein für 20 Mrd. $ gebautes Stahlwerk Ajaokuta Steel Company (ASC) im Bundesstaat Kogi produzierte bisher kein Gramm Stahl[9]. Ein anderes Beispiel ist das Aluminiumwerk Aluminium Smelter Company of Nigeria (ALSCON) im Bundesstaat Akwa Ibom, welches bereits 2000 fertiggestellt wurde, jedoch nie über Probeläufe hinaus ging. Dies sind nur exemplarische Beispiele für die in den 80er Jahren verpasste Industrialisierung des Landes.
In Nigeria herrscht eine 9jährige Schulpflicht vom 6. bis zum 15. Lebensjahr. Die Einschulungsquote von 93% ist im Vergleich zu den Nachbarstaaten relativ hoch. Allerdings befinden sich Schulen und besonders Hochschulen in außerordentlich schlechtem Zustand. Hinzu kommt die geringe Motivation der Lehrkräfte und die enorme Zahl an Streiks, weswegen der Unterricht zuweilen vollständig unterbleibt, bedingt durch ausbleibende Gehaltszahlungen. Betrug der Bildungsetat 1985 noch 12,2% des BIP, so sanken die Ausgaben 2003 auf 4,6%. Da der Besuch öffentlicher Schulen schon längst nicht mehr gewährleistet, Rechnen, Schreiben oder Lesen zu lernen, wächst vor allem in den Städten Lagos und Abuja die Zahl privater Bildungseinrichtungen, welche versuchen den Erwartungen der aufstrebenden Mittelschicht gerecht zu werden. Dennoch besuchen nur etwa 50% aller Kinder im Schulalter eine Schule. In einigen Provinzen des Nordens sind alle Schulen geschlossen. Es finden sich hier nur noch Koranschulen.
Kultur
- Nationalfeiertag: 1. Oktober (Tag der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1960)
- Sehenswürdigkeiten: Reiches künstlerisches Erbe, insbesondere Skulpturen und Holzschnitzereien aus Benin und Ife
Die Terrakotten der eisenzeitlichen Nok-Kultur sind weltweit bekannt, jedoch bei weitem nicht die ältesten Hinterlassenschaften nigerianischer Vorgeschichte.
- Kulturelle Einflüsse: Die nigerianische Kultur ist nicht nur von Traditionen der zahlreichen Ethnien durchsetzt, sondern auch durch islamische Einflüsse im Norden und europäische Einflüsse im Süden geprägt.
- Alphabet: Pannigerianisches Alphabet
- Literatur: Der nigerianische Schriftsteller Wole Soyinka erhielt 1986 den Nobelpreis für Literatur. Mit Chinua Achebe erhielt im Jahr 2002 ein weiterer wichtiger nigerianischer Autor den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Eine in Afrika sehr erfolgreiche Autorin ist Buchi Emecheta, die sich in ihrem Werk kritisch mit der Situation der Frauen im zeitgenössischen Afrika auseinandersetzt.
- Musik: Der vielleicht berühmteste Musiker Nigerias ist der Erfinder des Afrobeat Fela Anikulapo Kuti, der mit seiner Band "Africa 70" im "Shrine" in Lagos legendäre Konzerte gab. Weitere charakteristische Musikstile sind etwa Jùjú, Apala, Fuji oder Sakara.
- Film: Aus Nollywood werden Filme und Soaps nach ganz Afrika ausgestrahlt. Einige nigerianische Drehbuchautoren konnten ihre Scripte nach Hollywood verkaufen auf Grund der hohen Dramatik in den Schriftstücken.
- Sport: Sportlich international bekannt wurde das Land vor allem durch die Nigerianische Fußballnationalmannschaft.
Umwelt
Schwerste Schäden im Nigerdelta durch die seit 37 Jahren andauernde Erdölförderung. Pipelines verlaufen durch Dörfer und über Äcker; Wasser und Luft sowie Nahrungsmittel sind verseucht. Geschützte Gebiete: 3,22 % der Landesfläche. |