Reiseführer Sierra Leone
Republic of Sierra Leone
Republik Sierra Leone
Flagge Sierra Leones
Wahlspruch: Unity, Freedom, Justice
(engl. für „Einigkeit, Freiheit, Gerechtigkeit“)
Amtssprache Englisch
Hauptstadt Freetown
Staatsform Präsidialrepublik
Staatsoberhaupt und Regierungschef Präsident Ahmad Tejan Kabbah
Fläche 71.740 km²
Einwohnerzahl 5.337.000 (Stand 2006)
Bevölkerungsdichte 74 Einwohner pro km²
Währung Leone
Unabhängigkeit am 27. April 1961
Nationalhymne High We Exalt Thee, Realm of the Free
Zeitzone UTC
Kfz-Kennzeichen WAL
Internet-TLD .sl
Telefonvorwahl +232
Die Republik Sierra Leone ist ein Staat in Westafrika und grenzt an Guinea, Liberia und den Atlantik. Die ehemalige britische Kolonie belegt seit Jahren den letzten Platz auf der Liste des UNDP, gleichbedeutend mit dem Status des am wenigsten entwickelten von 177 untersuchten Ländern. Nach einem Jahrzehnt blutigen Bürgerkrieges ist das Land nun mit seinem Wiederaufbau und der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte beschäftigt.
Geographie
Sierra Leone grenzt im Nordwesten, Norden und Nordosten an die Republik Guinea und im Südosten an Liberia. Im Süden und Südwesten liegt der Atlantische Ozean. Eine bis zu 110 km breite Ebene zieht sich an der Küste entlang, auf der Freetown-Halbinsel erheben sich die Sierra Lyoa Mountains bis zu einer Höhe von 1.000 m. Einigen Küstenregionen sind bis zu 112 km lange Sandbänke vorgelagert. Hinter der feuchten Küstenebene beginnt das z. T. landwirtschaftlich genutzte Waldgebiet, durch das die drei wichtigsten Flüsse fließen. Das Land steigt zu den östlichen Guinea Highlands an, einem Hochplateau mit Erhebungen von über 1.830 m in den Loma Mountains und Tingi Hills. Der höchste Berg ist der Bintumani mit 1.948 m.
Geographische Lage: 10°-13° westliche Länge, 7°-10° nördliche Breite an der westafrikanischen Atlantikküste.
Die größten Städte in Sierra Leone sind (Stand 1. Januar 2005): Freetown 802.639 Einwohner, Bo 174.354 Einwohner, Kenema 143.137 Einwohner, Makeni 87.679 Einwohner und Koidu-Sefadu 87.539 Einwohner.
Die wichtigsten Inseln sind:
- Banana Islands (ein Schnorchel- und Tauchgebiet bestehend aus den 2 Hauptinseln Rickett und Banan Island und einigen kleineren Inseln)
- Turtle Islands
- Sherbro-Insel.
Die Landesgrenze ist insgesamt 958 km lang, davon grenzen 652 km im Norden an Guinea und 306 km im Süden an Liberia. Die Küstenlänge beläuft sich auf 402 km.
Die größten Flüsse sind: Mano und Moro.
Klima
Das Klima ist tropisch-feucht mit Niederschlägen bis zu 5000 mm pro Jahr an den Küstenregionen und gehört damit zu den feuchtesten Regionen Westafrikas. Das Jahr unterteilt sich in eine Regen- und eine Trockenzeit. Da Sierra Leone nördlich des Äquators liegt, beginnt die Regenzeit Mitte Mai und ist gekennzeichnet durch tägliche Gewitter und Regenfälle. In den Monaten August und September kann es auch schon mal ununterbrochen regnen.
Mitte Oktober beginnt die Trockenzeit, Niederschläge werden seltener. Im Dezember und Januar ist das Klima durch den Harmattan geprägt, einem Wind aus der Sahara, der Staub und erstaunlicherweise kühle Luft mit sich bringt. Februar, März, April sind die heißesten Monate mit seltenen Niederschlägen.
Wegen des Harmattans sprechen die Einheimischen auch von drei Jahreszeiten: rainy season, harmattan season, dry season.
Bevölkerung
Die Bevölkerung beläuft sich auf ca. 5,34 Millionen Menschen, die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 74 Menschen je km².
Die Bevölkerung setzt sich aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen. Die wichtigsten sind die Mende mit ca. 30,6 %, die Temne mit 29,4 %, die Limba mit 8,4 % und die Kono mit 5,2 %. Andere Volksgruppen sind die Bullum-Sherbro, die Fula oder Peul, die Madingo, die Kuranko, die Susu, die Yalunka, die Kreolen oder Kros, die Kissi und die Vai.
70 % der Einwohner sind sunnitische Moslems und 20 % sind Christen (Anglikaner, Protestanten - United Brethen, Katholiken, Freie Kirchen - Adejobi). Der Rest (etwa 10 %) bekennt sich zu keiner Religion.
Die Lebenserwartung gehört zu der weltweit niedrigsten (Stand 2006).
Geschichte
Das Bullom-Volk gehört mit den Lokos zu den ersten Einwohnern des heutigen Gebietes von Sierra Leone. Bis zum 14. Jahrhundert waren die Krims und die Golas auch dort ansässig. Erst während des 15. Jahrhundert drangen die Mendes und Temnes in je zwei aufeinanderfolgenden Wellen in die Bullom- und Lokogebiete ein. Im 19. Jahrhundert rückten die Yalunkas und die Fullas in die nördlichen Gebieten ein und verdrängten die anderen Völker nach Süden nach Osten.
Kolonialisierung
Die Portugiesen (Pedro da Cintra) erreichten die sierra-leonische Küste, auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien, im Jahre 1460. Der Name Sierra Leone stammt aus dem Portugiesischen und bedeutet „Löwengebirge“.
Hierzu gibt es zwei Legenden:
1. Sie nannten das Land „Löwengebirge“, weil sie Löwen auf dem Küstengebirge der Halbinsel, der Freetown Peninsula, vermuteten. Das Echo des Donners, das von den Küstengebirgen widerhallte, vermittelte den Eindruck eines bedrohlichen Löwengebrülls. Seit dem 15. Jahrhundert besuchten europäische Seefahrer die Küste regelmäßig, um Fertigwaren gegen Elfenbein, Gold und Speisen zu tauschen oder sich mit Wasser und Proviant für die Seefahrt nach Indien einzudecken.
2. Sie nannten das Land "Löwengebirge", weil vom Meer aus das Küstengebirge der Freetown Peninsula mit zwei runden Bergen wie ein schlafender Löwe aussieht.
Erste Kontakte des Landes mit Großbritannien entstanden mit dem Versuch der britischen philanthropischen Organisation „The Black Poor Society“ (Grenville Sharp), den in England verwahrlosten Afrikanern zur Rückkehr in die Heimat zu verhelfen. Kurz nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erwarb „The Black Poor Society“, 1787 ein Stück Land auf der Halbinsel zur Ansiedlung von Afrikanern, die während des Unabhängigkeitskrieges von 1776 auf der Seite Großbritanniens gekämpft hatten oder nach dem Verbot der Sklaverei von 1810 nach England eingereist waren. Schon 1787 wurde eine Gruppe von 200 Menschen, darunter etwa 150 Briten, auf der Halbinsel angesiedelt. Als die Mehrheit von ihnen innerhalb kürzester Zeit an Malaria und Gelbfieber erkrannkte, wurde das Experiment, dort eine Kolonie als Stützpunkt der britischen Handelsmarine zu gründen, aufgegeben. Danach wurden britische Staatsbürger zur Umsiedlung nur noch nach Australien verschickt. Die Halbinsel diente später als Stützpunkt der britischen Marine im Kampf gegen den Sklavenhandel. Befreite Sklaven aus England, aus den britischen Besitzungen in Übersee und aus den gekaperten Sklavenschiffen wurden dort angesiedelt.
1808 wurde die Halbinsel formell zur britischen Kronkolonie erklärt. Fast ein Jahrhundert später und etwa elf Jahre nach dem berühmten Berliner Abkommen zur Aufteilung Afrikas im Jahre 1885 wurde das Hinterland 1896 als britisches Protektorat deklariert. Kurz danach, in dem sogenannten Hut-Tax-War von 1898, erhoben sich die lokalen Fürsten unter der Führung von Bai Bureh und Kai Lundu gegen das britische Protektorat. Etwa sechzig Jahre nach dem Protektoratsabkommen erhielt das Land 1958 die innere Selbstverwaltung und wurde drei Jahre später, am 27. April 1961, ein politisch unabhängiger Staat innerhalb des Commonwealth. Die sogenannte Kolonialzeit (ein „misnomer“, d.h. eine falsche Bezeichnung für das Protektoratsverhältnis) dauerte also nur 65 Jahre - im Vergleich dazu: die türkische Herrschaft über Griechenland und den Balkan dauerte fast 350 Jahre. Nach Militärputschen 1967 und 1968 wurde 1971 die Republik ausgerufen.
Bürgerkrieg
Während der Präsidentschaft Joseph Saidu Momohs begann die Revolutionary United Front mit Unterstützung von Charles Taylor, Warlord im liberianischen Bürgerkrieg, ihren Kampf gegen die wechselnden Regierungen des immer instabiler werdenden Landes. Die Rebellenübergriffe aus Liberia wurden in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mit äußerster Brutalität geführt. So wurden Amputationen und Misshandlungen an großen Teilen der Bevölkerung vorgenommen und von beiden Seiten Kindersoldaten zwangsrekrutiert. Finanziert wurde der Bürgerkrieg in erster Linie durch den illegalen Handel mit Diamanten. Nach Interventionen der westafrikanischen ECOMOG im Jahr 1999, der es gelang, einen Putsch gegen Präsident Ahmad Tejan Kabbah rückgängig zu machen, der Vereinten Nationen (UNAMSIL) im selben Jahr und schließlich Großbritanniens im Jahr 2000 (Operation Palliser) konnte der Krieg beendet und der politische und wirtschaftliche Wiederaufbau eingeleitet werden. Am 18. Januar 2002 wurde im Rahmen einer Feierstunde im Nationalstadion, bei der mehrere Tausend Waffen verbrannt wurden, das offizielle Ende des Rebellenkrieges verkündet – zwei Tage zuvor war ein bilateraler Vertrag zwischen Sierra Leone und den Vereinten Nationen zur Errichtung des Sondergerichtshofs für Sierra Leone unterzeichnet worden. 2005 zogen die UNAMSIL-Truppen ab.[1]
Neuwahlen wurden für den 28. Juli 2007 angekündigt. Präsident Ahmad Tejan Kabbah, der 2002 die Wahlen unter UN-Aufsicht gewonnen hatte, stellt sich nicht zur Wiederwahl.[1]
Administrative Gliederung
Sierra Leone ist aufgeteilt in die drei Provinzen Northern, Southern und Eastern sowie das Gebiet um die Hauptstadt Freetown (Western Area). Die Provinzen sind wiederum in Distrikten (12 insgesamt) und die Distrikten in Kommunalvolksgebieten (Chiefdoms) aufgeteilt.
Wirtschaft
Landwirtschaft
Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung ist die Landwirtschaft die Existenzgrundlage. Man wendet dabei Brandrodung und Wanderhackbau an. Allerdings werden nur etwa 6% der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Hauptsächlich wird dabei Reis, Hirse und Maniok produziert, meist für den Eigenbedarf (Subsistenzwirtschaft). Für den Export sind Kaffee, Palmkerne und Kakao bestimmt.
Neben der Landwirtschaft dient auch der Fischfang dem Eigenbedarf, vor allem werden Heringe und Thunfisch gefangen.
Energieversorgung
Hauptträger der Energieversorgung des Landes ist die Wasserkraft.
Rohstoffe
Das Land ist reich an Bodenschätzen wie Bauxit, Braunkohle, Chrom, Diamanten, Eisenerze, Gold, Graphit, Kolumbit, Mangan, Molybdän, Platin, Rutil (Titanoxid) und Rhodium. Exporte von mineralischen Rohstoffen machten 1989 etwa 80 Prozent der Ausfuhren aus. Seit Beginn der Rebellenübergriffe aus Liberia im Jahre 1991 ist die formelle Diamantenförderung praktisch zum Stillstand gekommen. Eisenerz wird seit 1985 wegen mangelnder Auslandsnachfrage nicht mehr gefördert. Der Export von Gold und Diamanten wird durch die hohe Schmuggeltätigkeit sehr stark beschränkt. Nach Angaben der EIU (Economic Intelligence Unit ) in London wurden 1988 Gem-Diamanten (Schmuck-Diamanten) aus Sierra Leone im Wert von 300 Mio. $ und 1989 über 450 Mio. $ in Antwerpen verkauft. Offiziell wurden jedoch Verkäufe im Wert von nur 5 Mio. $.(1988) und 4,5 Mio. $ (1989) registriert, d.h. rund 98% (1988) und 99% (1989) der produzierten Diamanten wurden illegal (über Monrovia, Burkina Faso und Abidjan) aus dem Land geschmuggelt.
Staatsausgaben
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für
* das Gesundheitswesen bei 10%
* das Bildungswesen bei 13%
* das Militär bei 10%
Kultur
Medien
In den 1980er Jahren wurde ein fast landesweites Fernsehnetz durch die europäische Entwicklungshilfe aufgebaut. Das Studio hierfür befand sich in Freetown, die Verteilung erfolgte über Relaisstellen. Das Fernsehnetz konnte sich jedoch nicht lange halten und wurde bereits wenige Jahre darauf wieder abgeschaltet. Die nationale Telefongesellschaft wurde bis 1988 von der britischen CableWireless unterstützt, ab 1989 erfolgte eine Unterstützung und Durchführung von Restrukturierungsmaßnahmen durch die Deutsche Telekom. |